Matthias Seestern-Pauly

Gute Arbeitsbedingungen in der Kita statt Gießkannen-Politik

Seestern-Pauly: „Das Familienministerium kennt die Probleme, löst sie aber nicht.“

Unserem Nachwuchs bereits in der Kita die besten Chancen ermöglichen. Hierfür soll das sogenannte „Gute-Kita-Gesetz“ der Heilsbringer sein – so ist zumindest die Meinung der Bundesfamilienministerin. Das dem nicht so ist, ist nicht erst seit der öffentlichen Anhörung des Familienausschusses klar. Hier hatten auf die Frage, ob sie für das Gesetz stimmen würden, 9 von 10 Sachverständige mit „Nein“ geantwortet – und eine hatte sich enthalten.

Matthias Seestern-Pauly, kinder- und jugendpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion: „Die Bundesregierung spielt– wie so häufig derzeit – mit der Zukunft einer ganzen Generation. Anstatt eines Wahlversprechen-Refinanzierungsgesetzes für die Länder wären echte Qualitätsverbesserungen dringend nötig.“

Wie aus einer Kleinen Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion (BT-Drucksache 19/5093) hervorgeht, arbeiten im Bereich von Kitas nur rund zwei Drittel der Berufseinsteiger nach einem Jahr noch in ihrem Job. Nach fünf Jahren sehen die Zahlen noch dramatischer aus – hier ist es nur noch rund die Hälfte. Und auch beim Krankenstand ist die Situation alarmierend. So zitiert die Bundesregierung eine Studie, laut der „die strukturellen Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung in hohem Ausmaß im Zusammenhang mit der Arbeitsunfähigkeit der pädagogischen Fach- und Leitungskräfte stehen“. Laut Familienministerium gehören hierzu „Fachkraft-Kind-Relation, die Qualifikation oder genügend Zeit für die mittelbare pädagogische Arbeit“.

Seestern-Pauly: „Die Antworten der Bundesregierung sind erschreckend. Besonders besorgniserregend ist, dass dem Familienministerium die Situation bekannt ist, aber trotzdem nicht entsprechend gehandelt wird. Das ist absolut unverantwortlich. Anstatt Geld planlos mit der Gießkanne zu verteilen, wäre es an der Zeit, endlich zielgerichtet in die Arbeitsbedingungen der Erzieherinnen und Erzieher zu verbessern, auch um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.“

Denn anstatt wirklich die Qualität und damit auch die Arbeitsbedingungen in Kitas zu verbessern, wollen die meisten Länder das Geld für das teure Wahlkampfversprechen der Beitragsfreiheit für alle einsetzen. „Wir Freie Demokraten fordern daher von der Ministerin, das Gesetz so zu überarbeiten, dass es wirkliche Verbesserungen mit sich bringt. Dies kann nur im Interesse der Erzieherinnen und Erzieher, aber auch der Eltern und Kinder sein. Hierfür müsste sich die Ministerin aber endlich bewegen – und dazu scheint sie nicht den Mut zu haben“, so Seestern-Pauly abschließend.